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Feste, Aufzüge, Turniere und Feuerwerke

Diese Sammlung ist ein Teil des graphischen Bestandes zu Theater, Bühne und Festkultur im Barock im Deutschen Theatermuseum.

Aus der Erkenntnis von Scheinhaftigkeit und Vergänglichkeit des irdischen Lebens erwächst eine grundsätzliche Daseinsangst, Pessimismus und die stete Drohung des "memento mori" zu allgegenwärtigen Faktoren des barocken Zeitgeists. Dem diametral entgegenzustehen scheint die im Zeitraum zwischen dem Beginn des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts sich entfaltende, beispiellose Fülle an aufwändigsten Theater- und Festveranstaltungen. Die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit zeigen sich für das Verständnis des barocken Festes in seiner alle Sinne ansprechenden Erscheinungsweise entscheidend.

Der barocke Landesfürst erhebt nach dem Niedergang von Bürgertum und Landadel absolutistische Ansprüche von Gottesgnaden. Im starken Drang zur Versinnlichung (auch des Geistigen) lässt er sich mit bisher nie dagewesener Prachtentfaltung und immer neuen festlichen Höhepunkten seine Auserwähltheit bestätigen und feiern. In seiner Person vereinen sich Veranstalter, Huldigungsobjekt und ranghöchster Zuschauer. Als Anlässe barocker Feste dienen daher vorwiegend Ereignisse im Leben des Herrschers. Geburts-, Namens- und auch Sterbetage, Taufen, Hochzeiten, Jubiläen und Siege oder Friedensvereinbarungen waren der Grund, sich öffentlich verherrlichen zu lassen.

Die dafür herangezogenen Themenfelder und Stoffe speisen sich aus der antiken Mythologie und hinsichtlich der Person des Fürsten symbolisch oder allegorisch sprechenden Bildern. Ort, der sich nicht selten über längere Zeiträume wie Tage oder Wochen abwickelnden Festbestandteile, ist der Lebensraum des Fürsten selbst: seine Schlösser, Gärten, Kirchen, die Straßen und Plätze seiner Residenzstadt und natürlich auch seine Theater und Turnierhäuser. Die Gestalt solcher Feste sollte sich nach dem barocken Kunstideal aus allen Einzelkünsten, der Dichtung, der Musik, der Schauspielkunst, dem Tanz, der Baukunst, der Technik zu einem organischen Kunstwerk verbinden. Die Erkenntnis des Scheinhaften und der Illusion ist dabei allgegenwärtiges Thema, da höchstes Ziel dieser Fest- und Theaterkultur die Herstellung perfekter Täuschung gilt, um sich - zumindest für die begrenzte Dauer des Festes - als gestaltender Herr der Scheinhaftigkeit zu gerieren.

Der Aufgabe, den Festablauf im Wandel und in Bewegung festzuhalten, die oft nur temporären Bauteile und die prachtvoll kostümierten Beteiligten, ihre Reihenfolge und Anordnung sowie kleinteilige Gesamtansicht – manchmal schematisiert wiederzugeben folgen die Stichfolgen und Einzelansichten des barocken graphischen Bestandes zu Festen, Aufzügen, Turnieren und Feuerwerken.

Die anderen Teilsammlungen des graphischen Bestands zu Theater, Bühne und Festkultur im Barock