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Hortus Eystettensis

Diese Sammlung ist ein Bestand der Universitätsbibliothek Eichstätt-Ingolstadt.

Der „Hortus Eystettensis“ ist eines der berühmtesten Pflanzenbücher. Nach langwierigen Vorarbeiten erschien das Buch im Jahr 1613. Im Unterschied zu anderen Pflanzenbüchern verfolgte der Nürnberger Apotheker und Botaniker Basilius Besler mit dem „Hortus Eystettensis“ nicht die Absicht, ein Pflanzenbuch mit wissenschaftlichem Anspruch zu schaffen, sondern er konzipierte das Buch als repräsentatives Prestigeobjekt.

Die Herstellung des Buches war aufwendig und kostspielig: Besler ließ die Pflanzen nach Nürnberg bringen, wo sie von erfahrenen Zeichnern abgezeichnet und in Kupferplatten gestochen wurden. Für den Druck wählte man das ungewöhnlich große Königsformat (57x46 cm), auf dem jeweils eine oder mehrere Pflanzenarten abgebildet waren. Auf ausdrücklichen Wunsch des während der Vorbereitung verstorbenen Bischofs von Gemmingen musste Besler lateinische Kommentare mit den Belegstellen der älteren wissenschaftlichen Literatur hinzufügen.

Es wurden zunächst zwei Varianten gedruckt: In der Vorzugsausgabe wurden die Bildtafeln nur einseitig bedruckt. In einer einfacheren, für den Buchhandel bestimmten Ausgabe, wurden auch die Rückseiten der Bildtafeln mit Text bedruckt. Das Binden der großformatigen Einzelblätter stellte bei beiden Varianten eine besondere Herausforderung dar: die Bild- und Texttafeln mussten in der richtigen Reihenfolge einander zugeordnet, aufwendig auf Falze geklebt umd zum Buchblock zusammengebunden werden. Die Vorzugsausgabe wurde wohl stets koloriert. Die beidseitig bedruckte Ausgabe konnte auf Kundenwunsch nachträglich koloriert werden, ebenso wie eine dritte Variante ohne Kommentare, die der geschäftstüchtige Besler noch im Jahr 1613 herausbrachte.

Kurioserweise hat in Eichstätt selbst offenbar kein kolorierter Erstdruck in vollständigem Zustand die Zeiten überdauert. Jedenfalls wurde das dreibändige Exemplar der Seminarbibliothek erst am Ende des 19. Jahrhunderts in England ersteigert. Heute ist es das Herzstück einer Sammlung von etwa 200 teils mehrbändigen Kräuter- und Pflanzenbüchern des 15. bis frühen 20. Jahrhunderts, die in der Universitätsbibliothek Eichstätt aufbewahrt werden.