Facebook

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Handschriften aus der Provinzialbibliothek Neuburg an der Donau

Diese Sammlung ist ein Bestand der Staatlichen Bibliothek Neuburg an der Donau.

Nach der Säkularisation von 1803 wurde in Neuburg an der Donau, im Gebäude der Marianischen Männerkongregation am Karlsplatz, eine Provinzialbibliothek eingerichtet. Sie sollte die mittelalterlichen Handschriften und frühneuzeitlichen Drucke der säkularisierten Klöster des Umlands aufnehmen, die nicht von der Münchener Hofbibliothek reklamiert worden waren. Größere Bestände stammten u.a. aus dem ehemaligen Jesuitenkolleg in Neuburg und aus dem aufgehobenen Zisterzienserkloster Kaisheim. Von letzterem erhielt die Provinzialbibliothek auch das historische Bibliotheksgestühl, das heute im Rahmen einer Führung besichtigt werden kann.

Um eine angemessene Aufbewahrung und fachgerechte Erschließung zu gewährleisten (noch bis 1975 wurde die Provinzialbibliothek nebenamtlich von Neuburger Gymnasiallehrern geleitet), wurden die mittelalterlichen Handschriften 1909 auf Weisung des Staatsministeriums des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten in die Hofbibliothek, die heutige Bayerische Staatsbibliothek, überführt. Dieser als "Neuburger Auslieferung" bezeichnete Bestand umfasst 98 lateinische und sechs deutsche Handschriften überwiegend aus dem Mittelalter.

70 Codices stammen aus dem 1135 gegründeten Kaisheim, einem der ältesten Zisterzienserklöster auf dem Gebiet des heutigen Bayern. Sie geben Einblick in die Geschichte des Zisterzienserordens in Deutschland, von seiner Ausbreitung und Institutionalisierung bis hin zu seinem wirtschaftlichen Niedergang im 14. Jahrhundert und der darauffolgenden Wiederbelebung der zisterziensischen Buchkultur im 15. Jahrhundert.

Die ersten Mönche, die sich in Kaisheim niederließen, brachten bereits einige Bücher aus ihrem Heimatkloster Lucelle (Lützel) im Elsaß mit. Später wurden Handschriften im klostereigenen Skriptorium gefertigt und in der Klosterbuchbinderei mit Einbänden versehen. Da die Zisterzienser jegliche Prachtentfaltung ablehnen, beschränkt sich die Ausgestaltung ihrer Handschriften zumeist auf eine Ausschmückung der Initialen.

Untypisch ist das frühneuzeitliche Prachtantiphonar (Clm 28150), das der Schweizer Buchmaler Nikolaus Bertschy um 1530 mit kunstvollen Initialen und Rankenbordüren (u.a. mit einem Porträt Kaiser Karls V.) ausgestattet hat. Zur "Neuburger Auslieferung" gehören überwiegend theologische Werke, aber auch medizinische Traktate und naturwissenschaftliche Schriften, beispielsweise von Euclid und Albertus Magnus. Einige Handschriften französischer und italienischer Herkunft dokumentieren die internationale Vernetzung des bayerischen Klosters.